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Johannes Brahms

Leben & Wirken
Brahms & Herzog Georg II

Der Beginn einer Freundschaft

Johannes Brahms (1833–1897) lernte Herzog Georg II. (1826–1914) und seine dritte Gemahlin Freifrau Helene von Heldburg (1839–1923) im Oktober 1881 in Meiningen kennen. Wohl schnell nahmen die Beziehungen zwischen ihnen einen freundschaftlichen Charakter an, wie man späteren Korrespondenzen entnehmen kann. Um ihn nach Schloss Altenstein – den Sommersitz der Herzöge von Sachsen-Meiningen – zu locken, schrieb Helene von Heldburg am 7. Oktober 1891 an Brahms:

„Hätten Sie nicht Lust, sich hier auf dem Thüringer Wald einmal umzusehen? Wenn Sie die Hirsche schreien hören könnten, das wäre etwas für Sie! Freilich hören sie schon mit Mitte dieses Monats auf zu brüllen wie die Löwen, und wenn wir Sie auch für unser Leben gern so lange hier hätten, so werden Sie so lange nicht kommen mögen, obgleich ich nicht einsehe, warum Sie nicht ebenso gut hier zu Hause sein, hier ungestört, ja noch viel ungestörter sollten componiren, lesen, schreiben können, wie in Wien, und wandern könnten Sie hier doch noch ganz anders!!“

14. November 1894

Erster Besuch auf Schloss Altenstein

Doch erst 1894 entschloss sich Brahms spontan zu einem Besuch auf Schloss Altenstein. Am 11. November 1894 wandte er sich in launiger Weise an die „verehrte Schlossherrin“: „Mühlfeld [Klarinettist der Meininger Hofkapelle], bläst so lieblich auf seiner Clarinette und erzählt dazu so lockend von Schloß Altenstein, daß ich nothwendig ein wenig fantasiren muß. Ich denke am Mittwoch nach Wien, Mühlfeld nach Meiningen zu fahren. Wenn Sie mir mit einem Wort die Erlaubniß geben, so möchte ich gern den Umweg machen und Ihr schönes Schloß besehen.“  

Der Klarinettist der Meininger Hofkapelle, Richard Mühlfeld (1856–1907), hatte durch sein ausgezeichnetes Spiel Brahms so begeistert, dass dieser mehrere Kammermusikwerke mit Klarinette schrieb: ein Klarinettentrio (op. 114), ein Klarinettenquintett (op. 115) und zwei Sonaten für Klarinette und Klavier (op. 120). Nun wollte Brahms die beiden Klarinetten-Sonaten zusammen mit Mühlfeld, Herzog Georg II. und der Freifrau auf Schloss Altenstein vorführen.

Und so kam Brahms am 14. November 1894 das erste Mal auf den Altenstein. Gleich nach dem Diner trugen Brahms und Mühlfeld die beiden Sonaten vor. Fast eine Woche blieb er und genoss die Park- und Waldlandschaft. Schwärmerische Briefe an Clara Schumann zeugen von seiner Begeisterung.

26. September 1895

Wiederkehr und Abschied

Schon im darauffolgenden Jahr kehrte Brahms auf den Altenstein zurück – wenn auch nur kurz. Als Anlass diente das erste Sachsen-Meiningsche Landesmusikfest. Am Tag vor dem Fest, dem 26. September 1895, kam er für einige Stunden dorthin, da der Herzog, der wegen seines Gehörleidens nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen konnte, einige der Mitwirkenden zum Diner auf das Schloss geladen hatte. Nach Abschluss des Festes reiste Brahms zunächst mit der Freifrau zum Jagdhaus Pleß, auf dem sich der Herzog gerade aufhielt, und am nächsten Tage mit dem Herzogspaar weiter nach Schloss Altenstein. Diesmal konnte Brahms nur zwei Tage bleiben. Aber auch diese Tage waren angefüllt mit viel Musik, ausgiebigen Gesprächen und Spaziergängen.

Weitere Aufenthalte auf Schloss Altenstein waren Brahms nicht mehr vergönnt, doch noch auf seinem Sterbebett schwärmte er von den schönen Stunden, die er im Schloss und Park Altenstein verlebt hatte. Johannes Brahms starb am 3. April 1897 in Wien.